Christian Falk bestreitet Halbmarathon in Nordkorea

von dem Presseteam

The 28th Mangyongdae Prize International Marathon mit Deggendorfer Beteiligung

Unser Vereinsmitglied Christian Falk befindet sich seit fast einem Jahr in Peking. Mehrfach hat er in Fernost bereits an Laufveranstaltungen teilgenommen. Nun hatte er Gelegenheit, an einem Halbmarathon in Pjöngjang, der Hauptstadt Norkoreas, teilzunehmen. Da das Land wiederholt in den Schlagzeilen ist und Informationen aus erster Hand selten sind, lassen wir Christian Falk hier persönlich zu Wort kommen:

Mein knappes Jahr in Peking geht dem Ende zu. Am 04. Mai trete ich die Heimreise an. Zum Abschluss meiner Laufwettkämpfe im fernen Osten erwartete mich am letzten Wochenende noch ein besonderes Erlebnis: Der Halbmarathon in Nordkorea. Da dieses vom Führerkult geprägte, kommunistische Land gerade jetzt auf Grund der Drohung Trumps noch mehr im Fokus steht als sonst und daher nicht wirklich als touristisches Ziel bekannt ist, vorab ein paar Sätze zu den Umständen und Gegebenheiten der Reise.
Die Idee, an diesem besonderen Lauf teilzunehmen, wurde Anfangs des Jahres von einem Kollegen der Botschaft, mit dem ich schon mehrere Läufe in Peking bestritten habe, aufgebracht. Da ein Besuch Nordkoreas sowieso auf meiner Liste stand, war ich sofort Feuer und Flamme. Für Diplomaten, die je nach Position mehr oder weniger im politischen und medialem Fokus stehen, kann eine Reise nach Nordkorea - insbesondere eine Teilnahme an einer staatlichen Veranstaltung - heikel sein. Dies führte dazu, dass sich die ursprüngliche Truppe letztendlich von fünf auf drei Personen reduzierte. Davon starteten aber nur Kai und ich beim Halbmarathon.
Die Einreise nach Nordkorea und Teilnahme an der Laufveranstaltung ist im Normalfall nur mit Hilfe einer Reiseagentur zulässig. Der freundschaftliche Kontakt zu Kollegen der deutschen Botschaft in Pjöngjang machte es uns dennoch möglich, die Reise durchzuführen, ohne in ein Reiseprogramm gepresst zu werden. Das Visum war auf Grund unseres Diplomatenstatus und eines Empfehlungsschreibens der deutschen Botschaft in Pjöngjang einfach zu erhalten. Die Kollegen in Pjöngjang managten für uns die Anmeldung am Halbmarathon und es wurde eine Unterkunft am Botschaftsgelände für uns bereitgestellt. Die Tour konnte somit mit einem etwas komischen Gefühl, da man nicht wirklich wusste, was einem dort erwartet, am Freitag den 07. April starten…

Strahlend blauer Himmel und angenehme Temperaturen zwischen 10 und 15 Grad versprachen uns am Morgen bereits einen guten Tag. In Begleitung eines koreanischen Dolmetschers und eines Fahrers begaben wir uns um 06:30 Uhr zum Kim Il Sung Stadion. Dort befand sich der Start und das Ziel der Laufstrecke. Tatsächlich waren wir als Deutsche hier keine Exoten bei dieser Veranstaltung. Mit etwa 1100 ausländischen Teilnehmern stellte der Lauf einen wahren Touristenmagnet dar. Wer kann schon von sich behaupten, in Nordkorea gewesen zu sein und dort noch dazu einen Marathon|Halbmarathon|10 k Lauf absolviert zu haben…
Die Atmosphäre unter den Läufern und in dem mit 50000 Koreanern komplett gefülltem Stadion außergewöhnlich! Auch an der Strecke befanden sich viele Zuschauer. Natürlich musste man sich bewusst sein, dass dies alles arrangiert ist und wohl die wenigsten aus freiem Willen der Veranstaltung beiwohnten. Zu den Teilnehmern ist zu sagen, dass alle Koreaner in einer eigenen Wertung starteten und auch zeitlich vor den Ausländern. Zudem wurden 12 ausländische Profis eingekauft.
Um 8:25 fiel der Startschuss für Kai und mich. Mein realistisches Ziel war eine Zeit um 1:35 h. Dementsprechend ging ich den Lauf mit einer 4:30er Pace an. Die Strecke mit (für uns) Wendepunkt bei ca. 10,5 km war ausschließlich betoniert und asphaltiert. Oft handelte es sich um ziemlich breite, schnurgerade Straßen. Dazu machten leichte, langgezogene Steigungen und ein kräftiger Wind die Strecke fordernder als erwartet. Mein Matchplan ging auf und da ich mich am Wendepunkt gut fühlte, konnte ich auf der zweiten Hälfte noch etwas zulegen. Die letzten 400 Meter im gefüllten Stadion beschworen Gänsehaut herauf. Im Ziel stand für mich mit einer Zeit von 1:33:11 h ein sehr erfreulicher 11. Platz unter 372 männlichen Teilnehmern beim Halbmarathon fest. Kai kam in einer Zielzeit von 1:42:45 h auf den 41. Platz.

Wir hielten uns insgesamt 4 Tage in Nordkorea auf und hatten den Vorteil auch ein wenig Einblicke abseits der Scheinwelt in das Leben in diesem Land zu erhaschen. Wenngleich es auf Grund der strikten staatliche Kontrolle in allen Bereichen des Lebens äußerst schwierig ist. Dies ist Leuten, welche im Rahmen von Reisegruppen hierher kommen aber vollkommen verwehrt. Sie müssen mit der präsentierten Scheinwelt vorlieb nehmen.
Eben solche Veranstaltungen, wie der internationale Marathon in Pjöngjang, dienen dem kommunistischen Führerstaat dazu, den Touristen das Bild eines heilen, fortschrittlichen Staates vorzulegen. Sieht man aber abseits der Prunkbauten in der Hauptstadt die Menschen in maroden, durchnässten Plattenbauten wohnen und die Bauern mit dem Ochsengespann das Feld pflügen, wird einem klar wie absurd diese Welt ist. Abschließend kann ich sagen, der Lauf war ein wirkliches Highlight in meiner bisherigen Laufgeschichte und die ganze Reise sehr eindrücklich mit Erfahrungen welche ich nicht entbehren möchte und einen ziemlich nachdenklich stimmen.

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